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Als im 16. Jahrhundert ein holländisches Schiff Bali erreichte, desertierte die komplette Mannschaft, weil Balis Reize eine so starke Anziehung ausgeübt haben. Zwei Jahre benötigte der Kapitän, um genügend Männer dazu zu überreden, auf das Schiff zurück zu kehren und heim zu segeln. So schön ist Bali. Und Bali ist Bali geblieben, obwohl sich immer mehr Touristen davon überzeugen, dass Bali Bali geblieben ist. "Die Menschen sind gleichgeblieben. Es sind dieselben Menschen, die meisten sind froh und sanft und vergesslich, und wir werden sie nie ganz verstehen und nie ihre Stille und Gelassenheit erlernen können."(Vicki Baum) Weil Bali so schön ist, kommen sehr oft ausländische Staatsgäste auf Besuch und da hatte Ratu Oka (so heißt der Fürst von Kerambitan im Alltag) viel zu tun, weil er im Brotberuf Diplomat im Außenministerium und für die Empfangsprotokolle zuständig war. Wäre Bali eine Monarchie wie noch zu Beginn dieses Jahrhunderts, Ratu Oka wäre König. So aber musste er zur Arbeit gehen. Oft war so viel Besuch angesagt, dass er sich bis zu dreimal am Tag im Auto umziehen musste, um allen Protokollen zu genügen. Ratu Oka durfte auch erst mit 63 in Pension gehen, nachdem er fünf Jahre lang seine Nachfolger in der Kunst der Diplomatie und Zeremonie eingeschult hatte. Heute ist er 73 und sieht aus wie knapp 60. Die ganze Familie schaut jünger aus, besonders die Ehefrau Ratu Okas. Das liegt wohl am angenehmen Leben auf Bali. Ratu Oka wohnt samt seiner Familie im Puri (Palast) Anyur, der im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Bei einem Erdbeben sind zwar ein paar Mauern umgefallen, die meisten Gemächer sind aber aus Holz errichtet und haben die Zeiten original überstanden. An der Seite, die dem Vulkan Agung (derzeit 3.142 Meter hoch) am nächsten liegt, befindet sich der Tempel mit den Götter- und Ahnenschreinen. Im Haustempel des Palastes wurden wertvolle Keramiken den Göttern zu Ehren in die Sockel und Wände der Statuen eingemauert. Teilweise finden sich dabei Teller aus der Zeit, als die Holländer die Insel besetzt hielten. So mancher Teller würde heute bei Auktionen Höchstpreise erzielen. (Weil die Balinesen traditioneller Weise auf Palmenblättern und kunstvollen Geflechten servieren, wurden die Teller der Europäer als Verzierung von Mauern und Statuensockel verarbeitet).
Womit bis vor gar nicht langer Zeit eine vielköpfige Garde beschäftigt war, nämlich mit der Bewachung der Familie, besorgt heute er im Alleingang. Der Palasthund, dem es sehr gut geht, wie seine Körperfülle beweist. Er setzt sich aber lediglich mit einem kurzen Proforma-Wuff in Szene, um dann indigniert den Kopf zur Seite zu drehen und den Eindringling keines Blickes mehr zu würdigen. Wozu auch, wird der Palast doch von zwei in Statuen gehauene Götter bewacht. Ein oder zwei Diener halten sich ständig in der Nähe des Fürsten auf und warten auf Anweisungen. Sie sitzen dabei immer eine Stufe unterhalb. Das Verhältnis scheint aber sehr entspannt und locker zu sein. Das Wünsche-von-den-Augen-Ablesen scheint überhaupt eine balinesische Disziplin zu sein. In Europa ist man als Tourist ein Tourist, in Bali ist man da eher der Gast. Der Service in den Hotels ist so angenehm, dass man sich direkt überwinden und aus dem bequemen Lager am Strand ausbrechen muss, um auf Bali mehr Wege als die zwischen Zimmer, Restaurant und Strand kennen zu lernen. Die Balinesen machen es einem aber auch wirklich schwer, wird man doch permanent durch freundliche und aufmerksame Bedienung bei Laune gehalten. Ständig wird einem irgend was Nettes gewünscht. Einen Weg, den Sie unbedingt machen müssen, ist der nach Jatiluwih, ein Dorf auf 700 Metern Seehöhe und mit besonders schönen Reiseterrassen in der ganzen Umgebung. Auf beinahe jedem Quadratzentimeter Balis wird Reis angebaut, das Wasser fließt über ein jahrhundertealtes ausgeklügeltes System auf die Felder. Geerntet wird nach ca. 7 Monaten, die ganze Familie und sogar das Nachbardorf hilft dabei.
So ein alter Palast will auch ständig gepflegt sein, irgendwo wird ständig gearbeitet. Da müssen Fliesen ausgetauscht werden, dort eine Statue gereinigt und frisch vergoldet und der Garten erfordert eine ständige Pflege. Das belastet das Haushaltsbudget natürlich, weil auch die Diplomatenpension mit der Inflation nicht mithalten kann. Zur Aufbesserung des fürstlichen Budgets werden daher sogenannte Fürstenfeste veranstaltet, wobei das ganze Dorf beteiligt ist, die Gäste Kontakt mit den Dorfbewohnern knüpfen können, von ihnen mit nicht zu scharfen Speisen verköstigt werden (auch Spanferkel werden auf traditionelle Weise kredenzt) und einen echten Barong Keket vorgeführt bekommen. Bei diesem Tanz geht es um den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen. Barong verkörpert das Gute, Sonne, Licht, die Kraft und die rechte Seite, dargestellt in Form eines vierbeinigen Ungeheuers mit einem Kopf, der verschiedenen Tieren gleicht. Das Böse manifestiert sich in Rangda. Sie ist die Hexenwitwe und verkörpert die Nacht, Krankheit, Tod, Unglück und die linke Seite. Der Barong wird von Kris-Kämpfern unterstützt, die Rangda angreifen, um sie zu vernichten. Diese kehrt die Kraft des Angriffes um und die Kris-Kämpfer richten ihre Dolche gegen sich und versuchen, sich selbst umzubringen. Der Barong aber macht die Männer mit einem Zauberspruch unverwundbar, sie befinden sich in Trance und schaffen es nicht, ihren Brustkorb zu verletzen. Diese Unverletzlichkeit ist nicht erklärbar, es sei denn, man geht davon aus, dass wirklich Zauberei im Spiel ist. Rangda flieht als sie merkt, dass ihre Anstrengungen keinen Erfolg haben. Nun werden alle Trance-Tänzer durch Besprengen mit heiligem Wasser aus ihrer Trance erlöst.
Balis Straßen: In Bali läuft alles eher ruhig und locker ab, cholerische Typen passen dort hin wie Chilli auf Sachertorte. Nur der Verkehr ist ein wenig hektisch, obwohl die Soziusfahrer auf den tausendmilliardentrillionen Mopeds sitzen, als wären sie beim Angeln. Um den Verkehr zu beruhigen, wurde ein Bypass gelegt. Bei uns verbindet man mit Bypass ja eher etwas Unangenehmes, auf Bali ist es eine praktische und vor allem die schnellste Straßenverbindung von Nusa Dua nach Ubud oder Tabanan. Achtzig Ka-em-ha sind aber auch da das Höchste der Gefühle. Literaturtipps: Vicki Baum: "Liebe und Tod auf Bali" Lesen Sie dieses Buch, wenn Sie in Bali sind, es verschafft Ihnen einen ungewöhnlich tiefen Einblick in die Geschichte Balis. Das Reisehandbuch des Reise-Know-How-Verlages "Bali & Lombok" ist der beste Reiseführer über Bali (und Lombok). In jeder Buchhandlung erhältlich. Infos auch unter www.reise-know-how.de. Fred B. Eiseman, jr.- Bali: Sekala & Niskala. Essays on Religion, Ritual, and Art (Band I) und Essays on Society, Tradition, and Craft (Band II). Wenn Sie das gelesen und verstanden haben, dürfen Sie sich als echter Balinese fühlen.
Balis größte Einkaufspaläste: Keris, Tragia, Matahari. Weiß jeder wo die sind. Die Balinesen sind so geschäftstüchtig, wenn man einen Gegenstand nur anschaut, ist sofort der Verkäufer da und preist seine Ware in höchsten Tönen an. Sogar der Zeitungsjunge auf der Straßenkreuzung ruft ´Gooood News! Balis luxuriöseste Hotels: |
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