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Der Karneval ist der Grund dafür, dass Tausende nach La Serenissima strömen, um dem Spektakel beizuwohnen. Da fragt man sich, wie der wohl entstanden ist, der Karneval. Ich vermute ja, dass die Venezianer sich zu verkleiden begonnen haben, um in den engen Gassen von den immer zahlreicher werdenden Touristen weniger angerempelt und mehr mit Abstand bedacht zu werden. Und wie das so ist, einer fängt an, der andere macht es nach. Nur war der Effekt der falsche: je mehr Masken und Kostüme, desto mehr Touristen (Venedig ist angeblich 421 n. Chr. von Festlandbewohnern gegründet worden, die vor einfallenden Germanen flüchteten). Das hat sich bis heute ganz schön aufgeschaukelt und findet seinen Höhepunkt am Wochenende vor dem Faschingsdienstag. Das ist dann kein Spaziergang mehr, da wird die Richtung von der Masse entschieden, so dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als einen Ort der Ruhe, eine Oase, einen Quadratmeter für sich alleine.
Oder man bucht für etwas mehr als eine Stunde einen bequemen Sessel zu einem Konzert von "Rondo Veneziano" (40.000 Lire). Neun Musiker und Innen, in mittelalterliche Kostüme und Perücken gesteckt, unterhalten das müde Publikum mit Klassik für Anspruchslose. Für ein Cembalo ist auf der Bühne kein Platz, aber ein Keyboard tuts auch und ist bei Bedarf auch das Klavier. Macht eine Violine einen Patzer, dann grinsen die Spielerinnen einander fröhlich zu, um gleich darauf wieder ernst wie Ministranten dreinzuschaun. Dabei üben sie das Programm zweimal täglich vor Publikum, learning by doing also, sind ja auch wirklich schwere Stücke, bei dem vielen Presto und ganz ohne Adagio zum Ausrasten. Die Musik muss vermutlich deshalb schnell gespielt werden, weil es unter den Perücken so juckt. Was solls, die Touristen klatschen trotzdem. Eine elegante Flucht aus der Affaire ist der Besuch im Café Florian. Oder man flieht auf das Wasser und mietet eine Gondel mit Gesang, was sehr romantisch ist, besonders wenn man sich unter der Seufzerbrücke küsst (nicht wirklich sich selber, seine Partnerin natürlich) und dabei von der nahen Ponte di Paglia aus fotografiert wird. Der Karneval ist auch die Zeit, in der die Herren Tauben intensiv um die Bräute balzen und dabei sämtliche Federn aufstellen und im Kreise tanzen. Wer da wohl von wem abgeschaut hat? Auch eine mögliche Entstehungstheorie des Karnevals.
Wenn Sie einen Luster brauchen oder sonst etwas aus Glas, etwa einen der berühmten Köpfe von Kiki Kogelnik, dann nehmen Sie die Wasserbim Nummer 41 oder 42 ab Fondamenta Nove (10.000 Lire hin und retour) und besuchen die Insel Murano. Etwa achtzig Glasfabriken beschäftigen dort rund 3.000 Arbeiter, viele davon können unverbindlich besichtigt werden. Jetzt, wie kommt man nach Venedig: Mit dem Auto immer in Richtung "Venezia" fahren und kurz vom dem Einbiegen in den Canale Grande rechts ins Parkhaus (30.000 Lire pro Tag). Wenn Sie sich für den Zug entscheiden, was sehr gemütlich ist, müssen Sie mit einer freiwilligen Verlängerung Ihres Aufenthaltes rechnen. Man weiß bei den italienischen Eisenbahnern nie, wann sie streiken. Eine dritte Möglichkeit der Anreise ist der Autobus. Zu Karnevalszeiten verkehren diese shuttlemäßig und sind in allen Reisebüros zu buchen. Für Leute, die mit besonders wenig Schlaf auskommen, empfiehlt sich die Überlebenstraining-Variante: erste Nacht hin, tagsüber dort, zweite Nacht retour. So hat man um einen knappen Tausender Venedig gesehen, oder im Parco della Rimembranza verschlafen. Ein sehr empfehlenswertes Hotel ist das Bellini am Canale Grande. Die freundlichen Mitarbeiter mit ihren zahlreichen kleinen Aufmerksamkeiten vermitteln eine angenehme Da-geht's-mir-gut-Atmosphäre (www.boscolo.com/). Wichtig ist jedenfalls, dass man ein Hotel mit ordentlicher Heizung bucht, oder man nimmt eine Wärmeflasche mit. Ciao. Haben Sie gewusst, dass hinter diesem Gruß die venezianische Ergebenheitsformel "s-ciavo suo" steckt, was so viel heißt wie "Ich bin Ihr Sklave"? |
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