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Strandschaftlich kommen die Seychellen dem Paradies wirklich sehr nahe (nur der Klodeckel geht dort auch nicht von selber nach oben und man darf dort auch nicht jeden Tag acht Bananensplit essen, ohne zuzunehmen). Und wo sonst in den Tropen fließt reines Trinkwasser aus der Dusche. Nur 75.000 Menschen leben auf den etwa 110 Seychellen-Inseln (wie immer sind die wirklich schönen Dinge selten), davon gleich 45.000 auf der Hauptinsel Mahé. Auf Mahé liegt die kleinste Hauptstadt der Welt: Victoria mit 2.000 Einwohnern, einem Big Ben-Nachbau, einem Regierungsgebäude, einer Thunfischfabrik, einem Botanischen Garten und daneben einem Krankenhaus und noch ein paar anderen Gebäuden.
Wussten Sie, dass die schwarzen Krabben von Felsen zu Felsen hüpfen, 40 cm sind da gar nichts. Und sie können sogar kurze Strecken über das Wasser laufen, und das ist kein Urlauberlatein.
Und nirgendwo sonst fließen so zahlreich klare, saubere Bäche über den Strand ins Meer. Wahre Spielplätze für große kleine Kinder wie mich. Haben Sie schon einmal eigenhändig ein ganzes Flusssystem umgeleitet, einen Wasserfall angelegt und ein Kraftwerk gebaut? Und am Abend schläft man mit dem zufriedenen Gefühl ein, Großes geschaffen zu haben. Tipp: Achten Sie beim Kauf von Strandschlapfen, ob sie sich als Maurerkelle eignen (feste, flache Sohle). Mit einem Schauferl aber ohne Kind fällt man auf, verreisen Sie mit Kindern, sind Sie im Vorteil. Merke: 1 Kind = 2 Schauferl, 2 Kinder = 3 Schauferl, 0 Kind = Schlapfen.
Buchtipp für heiße Tage am Strand: Auferstehung der Toten von Wolf Haas. Weil erstens lustiger Krimi über Erfrierungen am Sessellift und zweitens dings. Luft praktisch kühl.
Tipp: Das Besteck ist im Flugzeug mit einer Plastikklammer zusammengehalten. Nehmen Sie diese Klammer mit, sie eignet sich zum Festklammern des Handtuches am Liegestuhl, damit es der Wind nicht wegweht. Dass die Inseln nicht besonders groß sind, merkt man schon am Flughafen gleich nach der Landung. Da sagt niemand, dass man solange angeschnallt bleiben soll, bis das Flugzeug zum Stillstand gekommen ist, weil sich ein so langer Satz gar nicht ausgeht, steht das Flugzeug schon. Und zum Domestic Flughafen sind es genau 180 Meter, also hintenherum, an den Taxis vorbei. Und zur Nachbarinsel Praslin fliegt man dann auch gleich mit einem kleinen Flieger, auf einem Stockerl mit Nierenstütze und Beckengurt. Und der Pilot - in unserem Fall eine junge Pilotin - hat neben seinem Sitz eine eigene Tür direkt nach draußen.
Tipp: Wenn Ihnen kein Text für die Ansichtskarte einfallen sollte, schreiben Sie: Herzliche Grüße und viel Glück, wir sind bald zurück. Oder: Platz für persönliche Notizen. Wie die Flugzeuge das machen, weiß ich nicht. Aber auf der Straße herrscht Linksverkehr. Manchmal. Weil meistens sind die Straßen so schmal, da fährt man einfach in der Mitte, also zu je gleichen Abständen zum Straßengraben. Nur wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer entgegenkommt - das kann sein ein Fußgänger, ein tapferer Tourist auf einem Mountainbike mit Einkaufskorb an der Lenkstange (diese Vehikel gibt es in vielen Hotels leihweise) und gelegentlich ein Auto oder gar ein Linienbus - in so einem Fall reduziert man die ohnehin niedrige Geschwindigkeit auf fast null und macht einen Bogen und das ist jetzt wichtig: auf die falsche Seite. Macht man den Bogen auf die falsche falsche Seite, ist man automatisch als Tourist entlarvt. Ist der Entgegenkommende einheimischen Ursprungs, erntet man Gekicher, ist es ebenfalls ein Tourist, tut man so als merke keiner was, weil dann gleicht sich die Angelegenheit aus. Man gewöhnt sich aber bald an den falschseitigen Ausschlag des Lenkrades, nur bei Kreuzungen muss man sich kurz zusammenreißen. Apropos niedrige Geschwindigkeit: Man fährt trotzdem binnen kurzer Zeit vom südlichsten zum nördlichsten Punkt der Insel, was ein sicherer Beweis dafür ist, dass es eine kleine Insel ist. Tipp: Borgen Sie sich kein Fahrrad aus, wenn sie am nächsten Tag die Nachbarinsel La Digue besuchen. Weil dort werden Sie sich auch ein Fahrrad ausborgen, und an zwei Tagen hintereinander tut das dem Hintern nicht gut.
Das Wahrzeichen der Seychellen ist die Coco de Mer, die nur an wenigen Stellen auf Praslin (Vallee de Mai) und Curieuse wächst und streng geschützt ist. Es gibt einen männlichen Baum mit Früchten, die ausschauen wie riesige Schniedelwutze und einen weiblichen, deren Nüsse dem entsprechenden weiblichen Körperteil mit Umgebung ähneln. Über so manchen Klotüren sind statt "Ladies" und "Gents" die entsprechenden Kokosnüsse aufgehängt. Da muss man schon ein biologisches Grundwissen aufbringen, um das richtige Häusl zu betreten. Zur Verständigung: Praktisch jeder spricht Kreolisch, Englisch und (nicht ´oder´) Französisch, alles Amtssprachen. Man verhungert aber nicht, wenn man keine der drei Sprachen spricht. Man kann sich auch durch schlüssiges Handeln verständlich machen: Man setzt sich an den Tisch und es wird einem serviert, außer es gibt Buffet, da holt man sich selber, aber das wissen Sie sicher. Einmal die Woche gibt es ein Buffet mit creolischen Spezialitäten (probierenswert, aber teilweise sehr scharf, brennt zweimal) und die sonst so unaufdringliche Restaurantmitarbeiterin entpuppt sich bei heimischer Folklore als wilde Tänzerin, ein Leckerbissen für die offenen Münder der Touristen. Restaurantempfehlung: ´Bon Bon Plume´ für Fischliebhaber, an der Anse Lazio ganz im Norden gelegen, wahrscheinlich am schönsten Strand der Insel; ´Capri´ in Grand Anse mit italienischen Spezialitäten. Informationen unter www.sey.net/plan.htm
P.S. Theo hat dann doch noch gute Arbeit geleistet. Noch ein Tipp: Wenn Sie bei der Rückreise am Flughafen vom Zöllner gefragt werden, wo Sie herkommen, sagen Sie nicht: aus St. Andrä Kerschegg. Der meint sicher den Urlaubsort. |
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